Germany and the Discord of Its Allies: The Case of the European Political Union

Posted on 2007-01-16.

von Martin Koopmann

Die gegenwärtige Debatte über eine gemeinsame Außenpolitik der Europäischen Union beschert vielen historisch interessierten Beobachtern der europäischen Integration ein Déjà-vu-Erlebnis. Manche Konfliktlinien und Interessenkoalitionen sowie nicht zuletzt das deutsche Selbstverständnis, als Vermittler innerhalb der Union bzw. der Gemeinschaft zu agieren, scheinen eine Diskussion wiederzuspiegeln, die bereits die ersten Versuche zur Errichtung einer Politischen Union in den 50er und 60er Jahren kennzeichnete.

Sowohl Bundeskanzler Adenauer als auch der französische Staatspräsident Charles de Gaulle sahen in der Wirtschaftsgemeinschaft nur eine erste Etappe auf dem Weg zum eigentlichen Ziel, der Politischen Union Westeuropas. Während der Verhandlungen über die im Jahr 1960 von Paris ergriffene Initiative für einen politischen Zusammenschluss (Fouchet-Pläne) wurde jedoch schnell deutlich, dass sich die EWG-Staaten uneinig über den Zweck einer solchen Union waren. Zwischen der von de Gaulle angestrebten stärkeren Unabhängigkeit Westeuropas von den USA einerseits und einer weiteren Stabilisierung der Bundesrepublik und Westeuropas in Ergänzung zur NATO andererseits bestand eine letztlich unüberwindbare Kluft. Der damit verbundene Konflikt spaltete nicht nur Frankreich und die Bundesrepublik. Er ließ auch die tiefen Divergenzen unter den außenpolitischen Akteuren in Bonn deutlich zu Tage treten. Da mit zunehmender Dauer der Debatte über die Fouchet-Pläne die französische Haltung unnachgiebiger und zugleich der Einfluss der deutschen „Atlantiker“ größer wurde, scheiterte die Bundesregierung mit ihrem Versuch, das Projekt durch konstruktive Vermittlung zu retten.

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